Die erste Nennung datiert aus dem Jahre 1193, als das Dorf Hützel, als Teil des Kirchspiels Bispingen an den Bischof Lüder von Verden verkauft wird.

Weiter findet sich im Winsener Schatzregister eine Eintragung aus dem Jahre 1313. Zu der Zeit überlässt Konrad von Hudsell dem Ritter Segeband von dem Berge eine Mühle und zwei Höfe mit ihrem „Zehnten“ zu seinem Lebensunterhalt. Dieser Eintrag beweist, dass es in Hützel schon vor Jahrhunderten eine Wassermühle von überörtlicher Bedeutung gab. Vermutlich erhielt in dieser Zeit der große Wald nahe Hützel seien Namen „Roufkammer“. („Rouf“ = Raub, Kammer, = Verwaltungsbehörde für Grundherrschaftlichen Besitz) Sie ist ein ausgedehntes Waldgebiet zwischen Hützel und Munster. Wer von Soltau nach Lüneburg wollte, musste sie durchqueren. Da es dabei immer wieder zu Raubüberfällen auf durchfahrende Händler kam, wurde der damalige Wald der „Herzoglichen Kammer“ zur „Raubkammer“.

Kartenausschnitt von ca. 1720

Die Sage berichtet vom Raubritter Moritz von Zahrenhusen, der hier sein Unwesen trieb. Ein Gedenkstein südlich von Rehrhof erinnert an diesen Mann, der, bei einem der von ihm verübten Überfälle, durch einen reisenden Kaufmann getötet worden sein soll. Vermutlich trug aber der Wald, weil es dort so unsicher war, seinen Namen schon vor der Raubritterzeit. Durch das Dorf führte der alte Postweg von Harburg nach Celle.

Im Jahre 1353 bestand Hützel aus einer Ansiedlung von sieben Bauernhöfen und einer Wassermühle. Der Ort vergrößerte sich stetig und wurde mit der Zeit zu einem kleinen Industriedorf, denn die Entdeckung von reichen Kieselgur Ablagerungen in der Hützeler Luheniederung hatte Folgen. Der Fund des „weißen Goldes der Heide“ veränderte das Leben nachhaltig. Man richtete den Blick auf „die neue Zeit“ und gewöhnte sich an viele technische Neuerungen.

Kieselgur in Hützel

Nachdem man 1836 in Unterlüß den ersten Kieselgurfund machte und allmählich den unschätzbaren Nutzen dieses Rohstoffes entdeckte, wurde auch im Luhetal Gur gefunden. Im Jahre 1876 wurde in Hützel die erste Kieselgurgrube („de witte Eerdiek“ = weißer Erdteich) in Betrieb genommen. „Gu(h)r“ ist ein niederdeutscher Volksausdruck mit der Bedeutung „feuchte, aus dem Gestein ausgärende Masse“. Aus geologischer Sicht ist Kieselgur ein, aus fossilem Diatomeenschlamm (Schutzpanzer abgestorbener Kieselalgen) entstandenes Sedimentgestein. Aufgrund seiner Materialeigenschaften, leicht und hochporös, ist Kieselgur ein geschätzter Rohstoff und wird industriell als Filter- und Bindemittel genutzt.

Ein Meilenstein der Entwicklung war die wichtige Neuerung Kieselgur mit dem gefährlichen Nitroglycerin (Sprengöl) zu tränken. So entwickelte der schwedische Chemiker Alfred Nobel in Hamburg den gut transportierbaren Sprengstoff Dynamit. In der Lüneburger Heide befanden sich die ersten Kieselgurgruben der Welt. Der Kieselgurabbau entwickelte sich für diese Region zu einem wichtigen Wirtschaftszweig.

Firma Reye um 1920
Firma Reye um 1920

Bis zum Ersten Weltkrieg wurden in Niedersachsen bis zu 25.000 Tonnen Kieselgur produziert. Das deckte damals fast den gesamten Weltbedarf an diesem Rohstoff. Nach dem Zweiten Weltkrieg erreichte die Produktion bis zu 60.000 Tonnen. Die Kieselgur wurde im Tagebau gewonnen. Anfangs wurde sie, wie Torf, mit der Hand abgestochen und auf Schubkarren aus der Grube transportiert. Später füllte man sie in Loren, die mit Pferden, Seilwinden oder Kleinlokomotiven aus der Grube gezogen wurden. Mit der Möglichkeit, den Rohstoff billiger aus Übersee zu importieren, verlor der Abbau in der Heide seine Grundlage. Auch die Gruben in Hützel wurden 1969 aufgegeben und der Natur überlassen. Zahlreiche Kieselgurteiche im Dorf zeugen bis heute von dieser Zeit.

Hützel ist bis heute Sitz der Firma „Reye und Söhne“. Sie förderte als eines der ältesten Tagebau-Unternehmen, bis 1969 noch Kieselgur, legte die Gruben dann still und stellte sich auf Herstellung und Vertrieb von Edelputzmischungen für die Bauindustrie um.

Verkehr: Hützel an der „Luhebahn“

Die Kleinbahn Winsen-Evendorf GmbH eröffnete am 20. Juli 1906 zunächst die Bahnstrecke von Winsen bis Egestorf, die dann zum 8. Juli 1910 bis Hützel fertiggebaut wurde. Sie änderte damit auch ihren Namen in Kleinbahn Winsen-Evendorf-Hützel. Der Anschluss an die erst 1913 eröffnete Kleinbahn Lüneburg-Soltau wurde nach Hützel gelegt, weil die Bispinger Bauern es abgelehnt hatten, Land zu verkaufen, damit der Eisenbahnknotenpunkt dort entstehen konnte. Die „Luhebahn“ genannte Strecke stellte, quer durch die Lüneburger Heide, eine Verbindung der Hamburg-Lüneburg-Linie, zur Kleinbahn Lüneburg-Soltau dar und war zum Export von Kieselgur und landwirtschaftlichen Produkten bald unentbehrlich. Seit 1944 gehören beide Kleinbahnen zur OHE (Osthannoversche Eisenbahn). Heute gibt es auf den OHE-Strecken, außer Sonderfahrten mit historischen Fahrzeugen als Tourismusattraktion, keinen Personenverkehr mehr.

Bahnhof Hützel um 1917
Bahnhof Hützel um 1917

Der Immenhof

Der „Immenhof“ wurde 1912 von einem Hamburger Rechtsanwalt als Guts- und Pensionshauses in der Heide, oberhalb der Brunau gebaut. Nachdem er 1927 von der AWO gekauft wurde, diente er als Ausbildungsinternat für junge Mädchen aus sozial schwachen Bevölkerungsschichten. In der Nazi-Zeit wurde das Anwesen enteignet, diente im Krieg als Lazarett und war bis in die 1950er Jahre eine Außenstelle des Soltauer Krankenhauses. Danach unterhielt die AWO dort ein heilpädagogisches Schulheim für Kinder und Jugendliche.

Historische Postkarte vom Immenhof